AGNES KEIL

die Illusion von Volumen entsteht. Wie durch die Kunst des Weglassens und der Proportionsverschiebung die Phantasie im Gehirn des Betrachters angeregt wird, wie der im Umriss bewusst gesetzte Schwung Bewegung erzeugt, die über die Skulptur hinauswächst und sich im Raum fortsetzt.
Sobald sich nun mehrere Flächen addieren, Flächen und Linien sich verkippen, auseinanderdriften und sich überschneiden, entsteht dynamische Räumlichkeit und Rhythmus, entsteht ein Sog, eine Verformung, ein Tanz, und jedes Werk entfaltet seinen ureigenen Klang.
Auslöser, diese seit Jahren in mir rumorende Idee zu realisieren – sprich Körperfragmente als Urformen für Skulpturen zu entwickeln – war 2012 ein Auftrag der Fondation Carré d´Art. Das erste Werk meines Körperalphabets wurde somit die monumentale Stahlskulptur `Chumm´ für den Ile-Art-Skulpturenpark in Malans/Frankreich. An ihr entwickelte ich die 12 Grundformen. Über kleine dreidimensionale Pappmodelle entstanden exakte Umrisszeichnungen. Diese wurden wiederum in digitale Daten übersetzt, danach bis über 4 Meter vergrößert, ausgedruckt und mehrfach im Detail weiter überarbeitet.
Assoziative Bezüge aus meinem Leben zu dieser hier im Buch gezeigten Arbeitsreihe lassen sich viele skizzieren.
Die ersten Aktzeichnungen in meiner Ausbildung - ich greife einzelne Körperpartien heraus, zeichne sie isoliert weiter, abstrahiere, bin fasziniert von